Diversity in Ropes

„Diversity in Ropes“ beschäftigt sich mit Körpern, Geschlecht und deren Diversität im Kontext von selbstbestimmtem, konsensualem Fesseln.

Kinbaku

Kinbaku ( „straffes Festbinden; straffes Fesseln“) bezeichnet die Kunst des Fesselns, die sich in Japan aus der traditionellen militärischen/polizeilichen Fesseltechnik des Mittelalters und späteren Kontakt der japanischen Kultur mit der Literatur des Westens entwickelt hat. Sie wurden im frühen 20. Jahrhundert in Japan für vorwiegend erotische Performancezwecke genutzt. Während und nach dem 2. Weltkrieg wurde Kinbaku in die USA und nach Europa getragen. Hier entwickelten sich mit der Zeit eigene Stile, die wiederum weiter von den japanischen Entwicklungen beeinflusst wurden. Dieses Wechselspiel lässt sich bis in die heutige Zeit beobachten und führt unter anderem dazu, dass Technik und Wissen einem stetigen Wandel unterliegen.

Warum Kinbaku?

Kinbaku im heutigen Sinne ist mehr als das reine Handwerk. Durch die Vielzahl der Einflüsse und Stile entwickelten und entwickeln sich verschiedene Herangehensweisen. So kann es zum Beispiel lediglich um die ästhetische oder performative Umsetzung einer Idee gehen. Es können aber auch Restriktion und Submission, erotische und sexuelle Befriedigung oder einfach die körperliche/sportliche Anstrengung in den Vordergrund rücken. Wie sich das Fesselnkonkret gestaltet, hängt von der Dynamik und der Absprache der beteiligten Personen ab.

Selbstbestimmung

Beim Fesseln handelt es sich um ein Spiel mit den physischen und psychischen Grenzen der Beteiligten.Schmerzen und ein aktives Rollenspiel mit Machtdynamiken sind Aspekte, die durch gesellschatliche Normen oft als etwas Negatives angesehen werden. Somit ist es umso wichtiger, dass ein Rahmen geschaffen wird, in dem ein offener Dialog über äußere und innere Vorgänge sicher stattfinden kann. Durch ein reflektiertes und sicheres Ausleben können sie zu einem wichtigen Selbstbestimmungsakt werden und zu einem bewussteren und liebevolleren Umgang mit Körper und Psyche führen. Im Kontext selbstbestimmter, feministischer und queerer Sexualität und Körpererfahrung gibt es immer mehr Menschen, die sich Kinbaku und artverwandten Praktiken zuwenden. Durch das damit einhergehende Hinterfragen gängiger Sexualitätsmodelle und achtsame Erleben des eigenen Körpers, können in den Bereichen der eigenen Körperwahrnehmung, der Selbstreflexion sowie der Kommunikation über psychische und physische Vorgänge, Bedürfnisse und Grenzen wichtige Erfahrungen gesammelt werden und die eigene Identität stärken.

Diversität

In vielen (erotischen) Darstellungen in Fotografie, Film und Kunst sind Menschen, die nicht den gängigen Schönheitsnormen entsprechen, unter repräsentiert. Dadurch haben viele Menschen mit Selbstzweifeln und Unwohlsein zu kämpfen. Gerade in sexuellen Zusammenhängen braucht es vielseitigere Angebote, die die gesamte Gesellschaft abbilden. Denn Repräsentation hilft sich selbstsicher und liebevoll mit der eigenen Sexualität zu befassen.

Die Zeichnungen der Serie „Diversity in Ropes“ entstanden als Selbstreflektion eigener erster Begegnungen mit der Welt des Fesselns. Als dickere Person in einem Umfeld, in dem Körper einen essenziellen Stellenwert haben und im Fokus des Geschehens stehen, war für die Künstlerin das Zeichnen zugleich ein Ventil und eine Hilfestellung bei der Begegnung mit den eignen Ängsten.

In ihren Arbeiten hat sich Miah Flowers bereits vorher viel mit dem eignen Körper auseinandergesetzt. Dies half ihr, ihn wertschätzend, aus neuen Perspektiven und mit künstlerischem Blick kennen zu lernen. Durch das Zusammenspiel dieser Auseinandersetzungen entstanden zunächst die ersten Zeichnungen von dicken, weiblichen* Körpern in Seilen.

In Miah Flowers enstand daraufhin der Wunsch, ein möglichst breites Spektrum an Menschen in ihren Zeichnungen abzubilden. So kamen mit der Zeit Trans*Personen , nicht-binäre Personen , Interpersonen, Männer, People of Color und Personen mit körperlichen Einschränkungen hinzu.

Durch die dargestellte Diversität hofft Miah Flowers, dass sich der Blick der betrachtenden Personen auf Schönheit und Körper verändert und neue Perspektiven erkannt werden können, die einem einen bewussteren Umgang mit dem eignen Körper und anderen Menschen ermöglichen.

Ebi

Futomomo

Hishi